Gefahrenmeldung Sophie Guger v. 29. April 2013

 Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie ZVR: 392798682, DVR: 4006832
Domestic Violence Intervention Centre – Member of the WAVE Network http://www.wave-network.org
Die Wiener Interventionsstelle ist als Opferschutzeinrichtung anerkannt und arbeitet im Auftrag des
BKA-Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst und des Bundesministeriums für Inneres (BMI)
sowie des Bundesministeriums für Justiz (BMJ) im Rahmen von Prozessbegleitung
Adresse: 1070 Wien, Neubaugasse 1/3, Tel. 01 / 585 32 88, Fax : 01 / 585 32 88 – 20
e-mail: office@interventionsstelle-wien.at web: http://www.interventionsstelle-wien.at

An das
Amt für Jugend und Familie 1/4/5
Favoritenstr. 18
10140 Wien Wien, 29.04.2013
Betrifft: Gefahrenmeldung Mj. Sophie Guger
Wegen hoher Dringlichkeit und einer zu befürchtenden schweren Gefährdung des Kindeswohls habe ich heute am Amt für Jugend und Familie 1/4/5 persönlich vorgesprochen und zwar um ca. 09:30. Ich war in Begleitung meiner Stellvertreterin.

Ich habe die folgende Gefahrenmeldung bezüglich Mj. Sophie Guger persönlich eingebracht. Nun lege ich sie wie vereinbart auch noch in schriftlicher Form vor.
Bei dem Gespräch am Jugendamt war anwesend: die leitende Sozialarbeiterin Frau G. und die Dipl. Sozialarbeiterin Frau B.

Gefahrenmeldung:

Unsere Einrichtung wurde nach der Ermordung der Mutter von Sophie Guger Anfang Dezember 2012 mit der Betreuung und Unterstützung der Großmutter von Sophie, Frau Minerva Roanghesi, mit der Prozessbegleitung und psychosozialen Beratung und Unterstützung beauftragt. Dazu gehört nach der Strafprozessordnung auch die psycho-soziale Unterstützung im Pflegschaftsverfahren.
Wir beraten und Unterstützen die Großmutter also seit ca. 5 Monaten und kennen im Zuge dieser Tätigkeit auch Sophie Guger.

Am Sonntag den 28. 04. 2013 wurde ich im Zuge eines Notdienstes, den unsere Einrichtung in besonderen Gefahrenlagen anbietet, von einer Rumänischdolmetscherin angerufen. Diese bat mich, zur Wohnung von Frau Roanghesi zu kommen, da Sophie Dinge erzählt habe, die der Großvater gemacht habe und die auf eine akute Gefährdung hinweisen. Sophie habe auch gesagt, dass sie sich nur dann traue alles zu erzählen, wenn sie nicht zum Großvater zurück müsse.

Ich fuhr am Nachmittag gegen 14h30 zur Wohnung. Dort erwarteten mich Frau Roanghesi, Sophie, zwei Freundinnen der verstorbenen Mutter, Frau Petra und Frau Mihaela, der Vater von Mihaela und die Dolmetscherin.

Sophie war aufgeregt aber sie wollte was erzählen. Nach dem Wunsch von Sophie waren Mihaela, Petra und die Dolmetscherin beim Gespräch dabei.
Sophie kannte mich schon von früheren Treffen (ich begleitete die Oma bei der Besuchsübergabe im AKH). Sie setzte sich zu mir, die anderen waren im Hintergrund.

Es fiel Sophie sehr schwer, zu beginnen. Ich spürte dass es sie schwer bedrückte und dass sie große Angst zu sprechen hatte. Gleichzeitig wollte sie auch sprechen.
Sie sagte sinngemäß es sei so schwer, sie brauche eine Beruhigung, sie müsse etwas Süßes essen und etwas trinken. Das tat sie dann auch und ich ermutigte sie dazu.
Nach den fachlichen Standards, die wir in der Beratung haben, darf die Last, etwas Bedrückenden zu erzählen, nicht dem Kind überlassen werden, es muss ihm dabei geholfen werden, es auszudrücken. Ich sagte daher dass ich verstehe dass es schwer sei zu reden und dass ich ihr helfen wolle. Ich sagte auch dass ich von Oma gehört hätte, dass es um den väterl. Großvater gehe. Sophie nickt dazu.

Ich sage dass es manchmal schwer sei, etwas zu erzählen, weil man sich schämt. Sophie sagt sie schäme sich und es sei „grauslich“. Ich frage was grauslich sei und sie sagt dass der Großvater sich mit dem Popo auf sie setzen würde und dass sie den Mund öffnen und dass sie ihn in den Mund nehmen müsse (sie sprach das Wort für den Geschlechtsteil nicht aus, es war für mich jedoch klar, dass es sich darum handelt)
Er schleckt sie auch mit der Zunge im Ohr und wenn er sie küsst dann streckt er ihr die Zunge in den Mund. Das mache er oft, auch während sie Schulaufgaben macht, dann kann sie sich nicht konzentrieren und weiß nicht mehr wo sie war.

Es war mir dann wichtig, Sophie nicht über Gebühr anzustrengen, zumal sie mir auch gesagt hat, dass sie der Oma schon alles erzählt hat. Daher lobte ich sie dass sie sich getraut hatte, zu erzählen. Ich sagte ihr dass so ein Verhalten von Erwachsenen nicht richtig sei, dass diese das nicht tun dürfen und dass sie davor geschützt werden muss.

Aus fachlicher Sicht stellt das, was Sophie erzählt hat, einen akuten Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls dar. Die Erzählungen des Kindes sind authentisch und glaubwürdig; es gibt für mich keinen Grund daran zu zweifeln.
Auf jeden Fall war es mir nach den Erzählungen des Kindes nicht möglich guten Gewissens zu sagen, dass ich keine Kindeswohlgefährdung sehe, zumal schon aus früheren Berichten wiederholt schwere Verdachtsmomente aufgetaucht sind, allerdings ohne den Großvater explizit zu benennen.

Aufgrund der nicht auszuschließenden akuten Kindeswohlgefährdung musste ich also sofort handeln. Ich trat mit dem Krisenzentrum, das am Wochenende als Vertreter der Jugendwohlfahrt fungiert, in Kontakt und zwar mit dem Krisenzentrum im 2. Bezirk, Trunnerstraße 20. Ich wurde telefonisch vom diensthabenden Sozialpädagogen Herr H. beraten. Dieser sagte mir, dass Sophie aufgrund der Hinwiese auf die Gefährdung in das Krisenzentrum gebracht werden solle. Ich befürchtetet, dass dies ein großer Schock für das Kind sein könnte und dass es sich bestraft fühlen könnte dafür, dass es sich erstmals anderen Personen (bisher hat sie nur der Oma davon erzählt) geöffnet habe. Ich fragte, ob es nicht möglich sei, dass Sophie bei einer Freundin und Arbeitskollegin der verstorbenen Mutter in der Erste Bank bleiben könnte. Herr H. meinte, das ginge nicht, weil diese Person der Jugendwohlfahrt ja nicht bekannt sei und dass Sophie in das Krisenzentrum gebracht werden solle. Ich befürchtete, dass Sophie einen Schock bekommen würde weil dies alles unvorbereitet geschieht und dass sie nicht mitkommen würde. Herr H. verstand das gut und unterstützte mich am Telefon, wie ich Sophie das vermitteln könnte.

Ich erkläret es dann Sophie und sie nahm es erstaunlich gut auf. Zwar sah man, dass sie Angst hatte, doch sie vertraute uns, dass wir sie beschützen wollen.
Ich brachte Sophie dann in Begleitung der Oma und der Freundin Petra in das Krisenzentrum.

Sophie war sehr tapfer und konnte gut auf Herrn H., der ihr sehr kindgerecht und nett alles zeigte und so Vertrauen schaffte, hören.

Es war dies das erste Mal, dass Sophie es wagte, jemandem außer der Oma von den Vorkommnissen zu erzählen. Sie tat es auch mit dem ausdrücklichen Wunsch der Oma gegenüber, dass sie dann nicht mehr zurück müsse zu den Großeltern in Steyr.

Sophie hat aus ihrer Geschichte heraus große Angst sich Fremden anzuvertrauen. Sie schämt sich über Dinge zu reden, die ihr unangenehm und „grauslich“ sind. Das ist mehr als verständlich für ein 6-jähriges Kind zumal es auch Erwachsenen schwerfällt über solche Dinge zu reden, selbst wenn sie einen nicht direkt betreffen. Es ist daher nicht verwunderlich, sondern verständlich und schlüssig, dass Sophie außenstehenden Personen gegenüber und auch in der Schule von den Übergriffen nicht spricht.
Es ist ein Wunder, dass Sophie sich getraut hat, erstmals anderen gegenüber zu sprechen; es sollte ihr geglaubt werden, ihr Vertrauen sollte nicht missbraucht werden und sie sollte mit den bestmöglichen Mitteln geschützt werden.

Festgehalten werden muss auch noch, dass Sophie, wie in früheren Berichten an das Jugendamt genau erläutert, von Geburt an von der Großmutter mit betreut wurde und ein sehr enges Verhältnis zu ihr hat. Die Großmutter ist derzeit die einzige enge Vertrauensperson von Sophie. Vor den väterlichen Großeltern hat sie Angst und das Vertrauensverhältnis ist offensichtlich schwer gestört.
Bei allen weiteren Schritten ist es daher auch wichtig daran zu denken, dass das Vertrauensverhältnis von Oma zu Sophie aufrecht bleibt und dass regelmäßige Kontakte bestehen.

Zusatz zur Gefahrenmeldung vom 29. 04. 2013 betreffend Sophie Guger

Zusätzlich zur Gefahrenmeldung vom 29. 04. 2013 haben wir den mündlichen Bericht von Frau Roanghesi Minerva zu den Ereignissen am Besuchswochende 26. – 28. 04. 2013 verschriftlicht.

An diesem Wochenende, am 28. 04. 2013, wurde von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie eine Gefahrenmeldung an den diensthabenden Vertreter der Jugendwohlfahrt gemacht (Krisenzentrum 2. Bezirk) und Sophie in das Krisenzentrum gebracht (siehe auch Gefahrenmeldung der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie an das Jugendamt).

Dieser Bericht enthält wichtige zusätzliche Informationen zur Gefährdung von Sophie Guger.

Frau Roanghesi berichtete uns, dass die Übergaben für das Besuchswochenende wie vereinbart am Fr, 26. 04. 2013 am Bahnhof am Bahnhof St. Valentin erfolgte. Sophie wurde von der väterlichen Großmutter Frau Guger gebracht.

Sophie freut sich sehr, die Oma zu sehen, da sie sie 4 Wochen nicht gesehen hat. (Anmerkung: Aufgrund eines Aufenthalts in Rumänien um die Sachen der verstorbenen Mutter von Sophie zu regeln, war sie an einem Besuchswochenende verhindert gewesen). Frau Roanghesi informiert Sophie darüber warum sie einmal nicht kommen hatte können.

Sie fragt sie dann wie es ihr gehe. Darauf antwortet sie halbherzig mit einem unglücklichen Gesichtsausdruck es gehe ihr gut Da Frau Roanghesi sich Sorgen macht fragt sie nach ob was nicht in Ordnung sei.
Daraufhin erzählt Sophie dass der Großvater Dinge tue, die sie nicht wolle und die ihr sehr unangenehm sind. Sie sagt es sei für sie sehr schwer darüber zu reden, es sehr unangenehm. Dabei schüttelt sie den Kopf und schneidet Grimassen um zu zeigen was sie meint. Frau Roanghesi sagt dass es ihr leid tut dass es ihr nicht gut geht und dass es wichtig ist, dass siedarüber redet damit ihr geholfen werden kann.

Sophie sagt darauf Omi, ich will nicht zurück und sie faltet bittend die Hände.
Oma fragt was es denn sei was so unangenehm sei und Sophie sagt dass der Großvater ihr den Finger in den Popo steckt und ihr dann in den Mund steckt. Oma fragt welcher Finger und Sophie zeigt den Daumen. Oma fragt ob ihr das denn nicht weh tue und ob sie ihm nicht sage dass er aufhören solle. Sophie sagt ja, es tue ihr weh und sie sage ihm dass er aufhören solle aber er hört nicht auf, er hört nicht auf sie.

Oma sagt dass das nicht in Ordnung ist, dass niemand das tun darf mit Sophie und dass sie es den Menschen sagen muss damit sie ihr helfen und sie schützen können.

Sophie sagt er sie zwingt auf alle Viere zu gehen und dass er ihr dann den Popo und die Muschi (sie verwendet den rumänischen Ausdruck für Muschi) schleckt.

Oma fragt wann denn diese Dinge passieren und Sophie sagt Tag und Nacht, immer. Auf die Frage ob die väterliche Großmutter davon weiß sagt Sophie dass diese nicht dabei sei, sie sei auf der Terrasse und trinke oder sie sei einkaufen. Es passiert überall im Haus, das Haus ist groß.
Der Großvater steckt ihr auch oft die Zunge ins Ohr und wenn er sie küsst dann steckt er ihr immer die Zunge in den Mund.

Frau Roanghesi berichtet, dass Sophie auch zu ihr gesagt hat dass sie sich auf den Teppich legen soll sie wolle ihr zeigen was der Großvater noch tue. Frau Roanghesi hat sich auf den Teppich gelegt. Sophie hat sich dann mit dem Popo über den Kopf der Oma gehockt und gemimt dass sie ihr etwas in den Mund gibt. Oma hat sie dann gefragt, was es sei, ob es hart sei oder weich. Sophie hat gesagt manchmal hart und manchmal weich.

Dann hat Sophie gesagt sie wolle ihr noch etwas zeigen, der Großvater will auch, dass sie ihr den Zipfel schleckt. Sie hat dann das Mobiltelefon der Oma genommen, hat es ihr zum Genitalbereich gelegt und hat mit ihrem Mund daran geschleckt.

Frau Roanghesi berichtet dass sie zu Sophie immer wieder sagt, dass diese Dinge nicht in Ordnung sind, dass sie solche Vorkommnisse den Erwachsenen, der Lehrerin, der Therapeutin und anderen erzählen solle damit sie geschützt werden könne, denn Erwachsene dürfen sich nicht so verhalten. Sophie hat daraufhin gesagt sie könne das dort nicht sagen, sie habe Angst.

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